Smells Like Team Spirit


19.07.2016 von

https://www.iteratec.de/fileadmin/Bilder/News/iteratec_logo.png https://www.iteratec.de/fileadmin/Bilder/News/iteratec_logo.png iteratec GmbH

Die Welt ist schon merkwürdig, besonders dann, wenn man mal den Schritt zurück macht und sich überlegt, was das eigentlich so alles bedeutet. Ein bisschen Weg liegt da ja schon zwischen Jäger und Sammler und globalisierter, hochtechnologisierter Weltwirtschaft und ich habe oft das Gefühl, dass man viel zu selten auch mal hinterfragt, wozu das alles. Nicht falsch verstehen: Seit ich denken kann faszinieren mich Wissenschaft und Technik, ich bin keinesfalls verdächtig, die Steinzeit wiederbeleben zu wollen. Nur frage ich mich eben oft, inwieweit wir vieles zum Selbstzweck machen, was eine solche Würdigung vielleicht gar nicht verdient hat. Dazu zählt unter anderem die Bestrebung, junge Menschen noch schneller durch die Bildungsinstanzen zu pressen, um sie möglichst jung mit einem Bachelor ausgestattet in Lohnverhältnisse zu befördern. Mir fehlt die Gemeinschaftlichkeit in der modernen Gesellschaft sehr, ein Wir-Gefühl entsteht scheinbar nur noch im Konflikt und zur Fußball-WM. Es verwundert daher nicht, dass ich mich im Studium auf die Suche nach einem Team Spirit gemacht habe und ihn glücklicherweise auch gefunden habe.                                                                                    

Die Formula Student ist ein internationaler Konstruktionswettbewerb, bei dem Studenten sich in Teams zusammenfinden und Rennwägen entwerfen, auskonstruieren, bauen und schließlich testen, bevor sie dann in punktbasierten Wettbewerben gegen die Teams anderer Hochschule antreten. Der Ursprung dieser genialen Idee findet sich in den USA, wo es diesen Wettbewerb bereits seit den 80er Jahren gibt, während sich Europa bis in die 2000er Jahre Zeit gelassen hat, um nationale Wettbewerbe selbigen Formats zu etablieren. Nichtsdestotrotz arbeiten alle Wettbewerbe weltweit mit den gleichen Grundregularien, die hinreichend gleich sind, dass Teams mit ihren Fahrzeugen mit nur geringfügigen Änderungen international teilnehmen können. Bei diesen Fahrzeugen handelt es sich indes keineswegs um Spielzeug - ohne Fahrer wiegen die leistungsfähigeren Probanden in der Region von 160 bis 220kg, die von Verbrennungs- oder Elektromotoren im Leistungsbereich von 100PS angetrieben werden und im Fall der allradgetriebenen E-Fahrzeuge in ca. 2.1 Sekunden aus dem Stand auf 100km/h beschleunigen. In Kurven werden Querkräfte jenseits der zweifachen Erdbeschleunigung - also 2G und mehr - erreicht, Werte also, die sich nicht hinter professionellem Sport verstecken müssen. Einzig die Höchstgeschwindigkeit ist wettbewerbsbedingt auf rund 130km/h begrenzt: Da die verwendeten Strecken nicht mehr Geschwindigkeit ermöglichen, sind die Fahrzeuge auf mehr auch nicht ausgelegt. Allerdings werden im Wettbewerb nicht allein die Fahrleistungen, sondern ebenfalls die Kostenkontrolle, die Fähigkeit, ein Geschäftsmodell zu erarbeiten und in zehn Minuten zu pitchen sowie das ingenieurwissenschaftliche Vorgehen beim Konstruieren des Fahrzeugs von Fachjuries aus dem Motorsport und der freien Wirtschaft bewertet. In der Formula Student wird also nicht die technische Leistung der Fahrzeuge allein, sondern auch die Fähigkeit der Teams in anderen erfolgsrelevanten Bereichen wie Organisation und Fertigung, Präsentation und Marketing sowie Dokumentation und Wissensweitergabe bewertet und fließen in das Gesamtergebnis mit ein.                                                                                   

Das klingt jetzt zunächst alles sehr nach Planspiel, nach Lehrveranstaltung, nach genau dem, was ich am Anfang kritisch zu hinterfragen geraten hatte. Für mich und für viele andere ist es aber viel mehr als das, nämlich Charakterschmiede, Freundeskreis und Familie, unvergessliche Erfahrung und unschätzbar wertvolles soziales Netzwerk. Mir persönlich hat die Formula Student geholfen, überhaupt meinen Weg zu finden und meine Fähigkeiten und Schwächen zu erkennen und ich denke, das geht auch vielen anderen so. Aber warum ist die Formula Student eine so prägende Erfahrung?                                                                                   

Weil die Formula Student mehr ist als nur die Freizeit zu verbringen und mit ein paar Freunden ein bisschen lustig Bier zu trinken und nebenbei Seifenkiste zu schrauben. Man findet hier Leute, mit denen man zunächst oft nur die Begeisterung für Technik oder Motorsport teilt und die sich, wie man selbst, zum Ziel setzen, in diesem Wettbewerb anzutreten. Mit allem, was das so mit sich bringt, und das wird über die Jahre eine ganze Menge: Man verbringt viele Stunden miteinander und versucht, zielführende Lösungen zu erarbeiten und umzusetzen. Es gibt auch mal Konflikte, die man dann austragen muss. Jeder für sich bringt mit der Zeit immer größere Opfer im Bezug auf die Familie, die Freunde außerhalb der Formula Student, den Partner und die Hobbies, die man schon immer hatte. Wenn das Fahrzeug dann fertig ist und der Kater der Enthüllungsparty bei allen verflogen, beginnt die Testzeit, die erst recht zusammenschweißt. Man verbringt oft mehrere Tage am Stück zusammen auf irgendwelchen Testplätzen, die teilweise so weit außerhalb liegen, dass man den nächstgelegenen Campingplatz aufsucht, anstatt in die Heimatstadt zurückzukehren. Man lebt miteinander, lernt sich kennen, zieht an einem Strang.  Am Ende schweißt diese Erfahrung unglaublich zusammen, weil man lernt, sich auf den anderen zu verlassen, weil man ihm vertraut, weil man weiß: der hat das gleiche Ziel, der macht das auch, wenn er es sagt, der bringt die gleichen Opfer wie ich und arbeitet genau wie ich mit aller Kraft daran, dass wir hinterher alle gemeinsam ein gutes Ergebnis haben und stolz sein können auf das, was wir gemeinsam geleistet haben. Ganz zum Schluss, bevor die Saison vorbei ist, fährt man dann noch gemeinsam auf die Wettbewerbe und verbringt dort jeweils in etwa eine Woche. In Spanien bleiben viele sogar länger, um noch einen gemeinsamen Urlaub anzuhängen. So wächst man über meist mehrere Jahre zusammen und teilt diese einzigartige Erfahrung - und weil es überall auf der Welt solche Teams gibt, mit denen man sie indirekt auch teilt, schafft man gleichzeitig ein riesiges Netzwerk von Ansprechpartnern; manche Teams lernt man bei gemeinsamen Tests auch während der Saison, nicht nur bei den Wettbewerben, kennen.                                                                                   

Ganz nebenbei lernt man außerdem alles, was später im Beruf wichtig sein wird: deadlinegetriebenes Arbeiten, Verantwortung gegenüber dem Projekt und den Kollegen, Budgetierung und vieles mehr. Aus diesem Grund interessieren sich viele Unternehmen für die Formula Student und leisten Unterstützung verschiedenster Art. Finanzielle Unterstützung ist natürlich immer gefragt, ebenso wie Fertigungsleistung und Know-how, aber auch gemeinsame Entwicklungsprojekte werden immer beliebter, weil dabei die eigenen Mitarbeiter direkt mit den Teammitgliedern der Formula Student Teams in Kontakt kommen. Das hat für beide Seiten Vorteile und begünstigt klar einen reibungslosen Übertritt ins Berufsleben.                                                                                   

Die iteratec GmbH unterstützt seit 2015 das Team der Hochschule München, municHMotorsport, finanziell und mit einem gemeinsamen Entwicklungsprojekt.  Dabei entwickeln Mitarbeiter von iteratec gemeinsam mit Teammitgliedern von municHMotorsport ein Time Keeping System, das die Testcrew bei der Aufzeichnung und Verwaltung von Rundenzeiten unterstützt. Das System arbeitet mit einer Lichtschranke und einem Android-Tablet und befindet sich momentan noch in der Entwicklung. Die Vision ist, den Testablauf und die Dokumentation von Ergebnissen an der Strecke zu vereinheitlichen und fest zu etablieren, um die Effizienz in der Testsaison dauerhaft zu steigern. Das Time Keeping System wird hierfür einen gewichtigen Beitrag leisten. Über die Zusammenarbeit in diesem Projekt hinaus sind Teammitglieder von municHMotorsport mittlerweile auch des iterathons geworden, einem Hackathon, den iteratec für Studenten veranstaltet.  So ist iteratec mittlerweile ein geschätzter Partner für das Team und wir hoffen, die IT-Themen in Zukunft noch weiter ausbauen zu können.

Natürlich ist es fast unmöglich, in so einem kurzen Artikel die Vielfältigkeit der Erfahrung Formula Student zu vermitteln. In jedem Fall bin ich der Meinung, dass die Formula Student in all ihren Facetten eine sehr gute Vorbereitung auf das spätere Berufsleben ist aber eben viel mehr als das. Wir, die wir in die Arbeit im Team unser Herzblut gesteckt haben, wissen, was es bedeutet, als Team eine Leistung zu erbringen. Was es bedeutet, sich gegenseitig zu stützen und auch über längere Zeiträume hinweg am Ball zu bleiben. Wir werden noch unseren Enkeln davon erzählen können, wie wir damals als Studenten Rennautos selbst gebaut haben und damit gegen andere Teams aus aller Welt angetreten sind. Alle diese Gründe sind es, die mich immer wieder zu der Erkenntnis bringen, dass jeder in seinem Leben eine Erfahrung wie die Formula Student gemacht haben sollte - denn nichts prägt wie gemeinsame Rückschläge, und nichts belohnt wie das Gefühl, gemeinsam alles gegeben zu haben, alles daran gesetzt zu haben, zusammen erfolgreich zu sein.

#DahoamIstImTeam

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